Sprachrohr Vagina

Nach Jahrzehnten trockener Genderdiskurse macht sich der Feminismus locker und lässt die Muskeln spielen! Da geht was: Die unterhaltsame Ära feministischer Kunst provoziert und setzt sich ironisch mit den drei visionären Ms auseinander: Matriarchat, Metamorphosen, Mutterschaft.
Beim Festival „The Future is F*E*M*A*L*E!“ sind Berliner Lokalgrößen wie Anne Haug und Melanie Schmidli von Projekt Schooriil dabei, die Komikforscherin Vanessa Stern und die Afrofeministin Simone Dede Ayivi. Sie alle schlachten in den Sophiensaelen seit Jahren mit Selbstironie und künstlerischem Mehrwert ihre privaten und beruflichen Krisen aus. Auch internationale Acts sind zu erleben. Die New Yorkerin Adrienne Truscott zitiert in ihrer One-Lady-Show „Asking For It“ Vergewaltigungswitze bekannter Komiker – und inszeniert ihre unbekleidete Vagina als Sprachrohr (!) der subversiven Aneignung.
Die phänomenale britische Komikerin Jess Thom arbeitet auf der Bühne mit ihrem Tourette-Syndrom als Gegenpart. 16.000mal täglich sagt sie unwillkürlich „biscuit“. Sich nicht unterkriegen lassen, auch nicht von den eigenen Ticks. Thom debütiert in Berlin mit ihrem neuen Programm „Stand Up, Sit down, Roll Over“. Dass Kunst Widerstand ist und kreative Auseinandersetzung davon erzählt auch „Recovery“, das Tanzstück, in dem Tänzerin Florentina Holzinger rekonstruiert, wie sie sich nach einem schweren Bühnenunfall mit Kampfkunst selbst heilte.
Die radikalfeministische Burschenschaft Hysteria aus Wien kopiert guerillamäßig die Rituale nationalistischer Studentenverbindungen und lädt zur konspirativen Schulung in die Villa Elisabeth ein. Hier gilt: nur für Frauen und nach schriftlicher Bewerbung. Alle Interessierten können sich aber in der „Academy“ schulen lassen. Die Performerin Cora Frost, Autorin Annett Gröschner, Philosophin Stefanie Wenner und andere unterweisen in einem Klassenzimmer aus feministischer Perspektive in Sachen Mode, Komik, Geschichtsschreibung und Musik. Stundenplan unter www.sophiensaele.de.